Pfinztaler Orgelherbst 2022

2021 war das „Jahr der Orgel“. Im Jahr 2022 sollen nun Veranstaltungen rund um die Orgeln in Pfinztal nachgeholt werden. Im Heimatblatt wurden alle sieben Pfeifenorgeln Pfinztals vorgestellt und ihre Besonderheiten erläutert. Jede Orgel ist für sich ein Unikat. Sie sind nicht nur als Kirchenmusikinstrumente von Bedeutung, sondern sie stellen zweifellos auch ein wichtiges Kulturgut dar. Über die „Königin der Instrumente“, wie die Orgel auch genannt wird, möchte man aber nicht nur etwas lesen, sondern man will sie vor allem auch hören. Deshalb werden sie an sieben Sonntagen im Oktober und November um 17 Uhr von den Organisten der Kirchengemeinden in Pfinztal zum Klingen gebracht. Nach einer kurzen Orgelvorstellung findet dann jeweils ein kleines Konzert statt. Dabei hat jede Veranstaltung einen anderen Charakter, sodass die Besonderheiten der verschiedenen Orgeln zu erkennen sein werden.

Folgende Termine sind vorgesehen:

09. Okt, 17 Uhr, Kath. Christkönigskirche Berghausen
23. Okt, 17 Uhr, Kath. Kirche St. Johannes der Täufer Wöschbach
30. Okt, 17 Uhr, Ev. Martinskirche Berghausen
06. Nov, 17 Uhr, Ev. Thomaskirche Kleinsteinbach
13. Nov, 17 Uhr, Kath. Kirche Pius X Söllingen
20. Nov, 17 Uhr, Ev. Michaelskirche Söllingen
27. Nov, 17 Uhr, Ev. Kapelle Wöschbach

Die Zeitgeschichte der Orgeln in der Michaelskirche

1623 - Erster Hinweis zu einer Orgel in der Söllinger Michaelskirche ( Meerwein, „Unser Söllingen. Heimatgeschichte aus dem Pfinztal“, 1930).

1717 - Einweihung einer Orgel, welche von 1699 an schon in Grötzingen im Einsatz war (vergl. Meerwein, s.o.)

1790 - Neubau einer Orgel wird bei Orgelbauer Stein, Durlach, in Auftrag gegeben und 1792 fertiggestellt. Einzigartig im Stein´schen Schaffen ist die besondere Form des erhalten gebliebenen Orgelgehäuses; die Ausführung mit dem abgesenkten Mittelturm des Gehäuses war wohl wegen der schon damals niedrigen Deckenhöhe auf der Mittelempore notwendig. Stein baute in jener Zeit mehrere Orgeln gleicherGröße und mit fast identischer Disposition.

1817 - Das Großherzoglich Badische Bezirksamt in Durlach schrieb, „…dass die Orgel in Ihrer Kirche in äußerst schlechten Zustand sich befindet. Sie bedarf nicht allein vollkommener Säuberung und neuer Stimmung, sondern auch der Herstellung eines auseinander gesprungenen Blasebalgs.“

1843 - Es wurde beschlossen, „ der hiesigen Orgel einen Ölanstrich geben zu lassen.“

1872 - Die Orgelbaufirma Voith aus Durlach entfernte das Register Trompetbass 8´ und tauschte auch einige andere Register aus. Der Tremulant wurde stillgelegt.

1907 - In einem Sitzungsprotokoll des Kirchengemeinderates befindet sich der Hinweis, dass in einigen Jahren wohl der Bau einer neuen Orgel notwendig sei.

1914 - Orgelbaukommisär Barner schreibt in seinem Bereisungsbericht der „Diözese“ Durlach: „In Söllingen ist die Orgel für die große Kirche viel zu klein und sollte mindestens 25 statt 11 Register haben. Außerdem ist die Orgel sehr alt und unzuverlässig geworden. Die Gemeinde soll jedenfalls von jetzt an dafür Sorge tragen, dass in den nächsten Jahren eine neue Orgel angeschafft werden kann.“

1922 - Erst jetzt war der Gemeinde die Neuanschaffung einer vollpneumatischen Orgel aus der Werkstätte Voit möglich. Das Instrument kostete damals 162.200,00 Mark.

1936 - Die erst 14 Jahre alte Orgel genügte den Ansprüchen der Söllinger offensichtlich nicht. Ein bedeutender Umbau wurde geplant und von der Firma Wackler aus Steinfurt als Opus 26 ausgeführt. Dabei wurden die Voit´schen Windlader und Register weiterverwendet, der Spieltisch wurde ausgetauscht und einige Register hinzugebaut. Das Klangbild der Orgel sah danach folgendermaßen aus:

1966 - Von der Bezirksbereisung Durlach wird der aktuelle Zustand der Orgel festgehalten: „Sehr reizvoll ist eigentlich nur das Spätbarockgehäuse, indem das Werk - jetzt nicht ganz sinnvoll aufgebaut - untergebracht ist. Es handelt sich bei der Windladenkonstruktion offensichtlich um ein Werk der Fa. Voit um den Beginn dieses Jahrhunderts. Die rein pneumatische Traktur ist sehr geräuschhaft und weist schon erhebliche Lücken auf. In jedem Register zeigen sich ausfallende Tasten, was ein Zeichen dafür ist, dass die ganze Traktur im Verfall begriffen ist. Zu diesem völlig hoffnungslosen Zustand kommt eine starke Verwurmung aller Holzteile, die schon weit fortgeschritten ist, dass auch die stärkste Imprägnierung wenig Abhilfe schaffen wird, da wohl in vielen Brettern der Wind durchblasen kann.“

1969 - Aus finanziellen Gründen beschießt der Kirchengemeinderat die Anschaffung einer elektronischen Orgel, Modell C 33 der Firma Ahlborn. Die Front des historischen Orgelgehäuses wurde als Schaustück an der Wand befestigt.

1991 - Im April wurde die Firma Mühleisen in Leonberg mit dem Bau einer neuen Pfeifenorgel beauftragt.

Kontakt 07240 1860 soellingen@kbz.ekiba.de