Wir leben heute in einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen der Institution Kirche den Rücken kehren. Sie halten die Kirche für überholt, irrelevant und unzeitgemäß.
Auf der anderen Seite ist eine wachsende Sehnsucht nach Gemeinschaft wahrzunehmen. Menschen sehnen sich nach einem Ort, wo sie geliebt, angenommen und verstanden werden. Die Gemeinde Jesu ist nach Gottes Plan dieser Ort, an dem Menschen Gemeinschaft mit ihrem Schöpfer und miteinander erleben sollen.
Die Zukunft der Kirche hängt davon ab, ob es gelingt, wirkliche Gemeinschaft zu entwickeln. Gottesdienste, Veranstaltungen und Programme sind alles wichtige Dinge, aber sie reichen nicht aus. Menschen suchen mehr als Unterhaltung und Programm. Nur die Erfahrung der göttlichen und menschlichen Liebe kann das tiefe Verlangen des menschlichen Herzens stillen.
Die große Herausforderung der Zukunft ist es, eine einladende Gemeinde zu sein und in wachsendem Maße zu werden und gerade die im Blick zu haben, die kaum noch Kontakt zur Kirche haben. Je mehr unser Blick sich nach außen richtet, je mehr wir wieder den Auftrag ins Zentrum rücken: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet allen Menschen die rettende Botschaft“ umso weniger Sorgen brauchen wir uns um die Zukunft der Söllinger Gemeinde machen.
Ein ganz entscheidender Punkt wird in den kommenden Jahren die Neuentdeckung der Kirche als Gemeinschaft sein. Kirche ist nicht Organisation, Kirche ist nicht vorrangig Institution, sondern Familie Gottes. Wir sind Schwestern und Brüder, die Gott mit sich und miteinander verbindet. Liebe, anteilnehmende, fürsorgliche, helfende, verstehende und heilende Liebe ist das Markenzeichen der Gemeinde Jesu. An der Liebe sagt Jesus, werden seine Jünger erkannt.
Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollen in unserer Mitte von Anfang an erfahren, dass Kirchesein nicht heißt, Veranstaltungen zu besuchen, sondern in Gemeinschaft mit Gott und anderen zu leben. Aber auch wenn Gemeinschaft und Liebe großgeschrieben werden, müssen wir uns bewußt bleiben, dass wir noch auf dieser Erde und nicht im Himmel sind. Wir sind allesamt fehlsame und fehlende Menschen mit mancherlei Ecken und Kanten. Und so wird es auch in der schönsten Gemeinde niemals ohne Reibungen und Konflikte abgehen. Aber es gilt neu zu erfassen, dass die christliche Gemeinde nicht auf Sympathie und gleicher Wellenlänge aufbaut, sondern dass die Gnade, die Vergebung und Liebe Gottes ihre Basis darstellen. Die Bruderliebe gibt uns die Kraft, in Konflikten zueinander zu stehen, Spannungen auszuhalten und vor allem dem anderen immer wieder zu vergeben.
Als Pfarrer der Söllinger Gemeinde bin ich dankbar für das große und oftmals langjährige Engagement vieler Gemeindeglieder. Ich bin sehr froh über jeden, der die Zuschauertribüne verlässt und seinen Platz auf dem Spielfeld einnimmt. Dass Gott viele Mitarbeiter gerade im Feld der Kinderarbeit geschenkt hat, ist etwas sehr ermutigendes. Und doch bleibt Jesu Wort wahr: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter. Darum bittet den Herrn, dass er noch mehr Arbeiter aussendet, die seine Ernte einbringen!“
Die Gemeinde braucht jeden. Sie ist ein Leib, der dann am effektivsten seine gottgebene Aufgabe wahrnehmen kann, wenn alle Glieder an der richtigen Stelle sind und ihre Funktion erfüllen. „Gott, weil er groß ist, gibt am liebsten große Gaben, ach, dass wir Armen nur so kleine Herzen haben.“
Mit herzlichen Grüßen und Gottes Segen für Ihren Alltag.
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Einführungsgottesdienst Am 18. April 2010 ging offiziell die mit ca. 7 Monaten sehr kurze Vakanzzeit unserer Kirchengemeinde zu Ende. Pfarrer Gantert trat seinen Dienst in Söllingen am 1. April 2010 an. Im Festgottesdienst am Sonntagnachmittag in der Michaelskirche wurde Pfarrer Gantert durch Dekan Gromer in sein neues Amt eingeführt. |